Früher begann eine musikalische Karriere auf konventionellem Wege: Man nahm an Talentshows und Gesangswettbewerben teil oder wurde von einem Produzenten entdeckt. Bei den „Piano Guys“ wurden moderne Medien genutzt. Der Erfolg kam durch regelmässig auf YouTube eingestellte Eigenproduktionen.

Wie alles begann
Die amerikanische Musikgruppe um Jon Schmidt besteht aus Steven Sharp Nelson, Al van der Beek und Paul Anderson. Über YouTube-Videos spielten sie sich mit Klavier- und Cellostücken, die Adaptationen bekannter Popstücke und klassischer Melodien darstellten, in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit. Paul Anderson agierte als Produzent. Diese Aufgabe hatte zunächst Tel Stewart übernommen. Mittlerweile sind auf dem Plattenmarkt drei Alben erhältlich. Das Erstaunliche an dieser YouTube-Karriere ist, dass alle drei Alben die Billboard-Charts knackten und in der Sparte „New Age“ bzw. „Classical Album Charts“ die Nummer Eins wurden. Begonnen hat alles in einem Klaviergeschäft im US-Bundesstaat Utah. Es gehörte Paul Anderson. Er lernt dort den Musiker Jon Schmidt kennen. Dieser wollte im Musikgeschäft für ein Konzert proben. Monate später begannen Paul Anderson und sein Kumpel Tel Stewart, aus Spass Videos von solchen Proben zu drehen. Bald entstand daraus eine Zusammenarbeit mit Steven Sharp Nelson als Cellist und Al van der Beek als Studio-Techniker. Woche für Woche wurde ein Video der Gruppe auf YouTube lanciert. Die Zahl der Klicks von YouTube-Nutzern stieg beständig an. Bei einigen Musikvideos erreichten sie die 750.000-Marke, bei anderen wurde gar die Millionenmarke geknackt. Der YouTube-Kanal der „Piano Guys“ hat längst mehr als zweieinhalb Millionen Abonnenten. Kein Wunder also, dass das Team um Pianist Jon Schmidt 2011 ein YouTube-Preis für den bekanntesten Videokanal zuerkannt wurde.

Die weitere Entwicklung der Story
Der grosse Publikumserfolg hatte zur Folge, dass Sony an die Gruppe herantrat. Im Herbst des Jahres 2012 verkündeten „The Piano Guys“, einen Vertrag beim Musikkonzern Sony unterzeichnet zu haben. Das erste Album „The Piano Guys“ wurde prompt weltweit verkauft. Der logische zweite Schritt war 2013 der Albumnachfolger „The Piano Guys 2“. Die Musik des Duos aus Jon Schmidt am Klavier und Steven Sharp Nelson am Cello schien beim Publikum einen Nerv zu treffen. Man bedient sich mehrerer übereinander gelegter Tonspuren, um einen vollen, orchestralen Klang zu erzeugen. Im preisgekrönten Video „Michael meets Mozart“ spielen die beiden Künstler einen Mix aus Hip Hop und klassischen Motiven. Sämtliche Soundeffekte wurden tatsächlich nur durch die beiden genannten Instrumente hergestellt, die im Video durch eine orale Percussion und eine Basstrommel ergänzt wurden. Die Aufnahme sollte einen Tribut an Michael Jackson und Wolfgang Amadeus Mozart darstellen. Es folgten ähnlich ausgeklügelte Aufnahmen, bei denen bis zu 100 Tonspuren eingesetzt wurden. Auf YouTube erschienen 2011 „The Cello Song“, eine Adaptation von Bachs Cello Suite No. 1, und „“Moonlight“, eine Adaptation von Beethovens Mondlicht Sonate und einer Melodie aus der Siebten Sinfonie. Ausserdem produzierten die „Piano Boys“ eine moderne Version von Rachmaninoffs „Prelude in C-Moll“. Von diesem Stück existieren auf YouTube zwei verschiedene Versionen. In der Rockversion dominieren die Pianoklänge gegenüber anderen Instrumenten. Das Stück wurde mit einer Begleitband eingespielt.

Anhaltende Erfolge
Über 16 Millionen Klicks erzielte das im Dezember 2011 produzierte „Cello Wars“, eine musikalische Auseinandersetzung mit Versatzstücken aus dem Star Wars-Soundtrack. Mittlerweile waren die Arrangements komplex und beinhalteten auch darstellerische Komponenten. Für spätere Produktionen liessen die „Piano Guys“ ihr komplettes Equipment per Helikopter in Regionen fliegen, die zum musikalischen Thema passten. Codlplays Song „Paradise“ wurde beispielsweise in einer Bergkulisse in Utah gedreht. 2012 kontaktierte das „American Heritage Lyceum Philharmonic Youth Orchestra“ das Duo mit der Idee, einen Teil aus Beethovens Fünfter Sinfonie zu adaptieren. Man führte das Stück zusammen mit den Piano Guys als „Beethovens Secrets“ auf. Zwei Monate später hatte das Video bereits zwei Millionen Viewer.