Johann Pachelbel (1653-1706) gilt als einer der bedeutendsten Komponisten und Organisten des süddeutschen Hochbarock. Obwohl sein Werk Hunderte von Kompositionen für Orgel und Vokalensembles umfasst, ist er dem breiten modernen Publikum nur noch durch den „Kanon und Gigue für Streicher in D-dur“ bekannt. Durch seinen engen Kontakt zur Familie Bach hatte er großen Einfluss auf die Werke Johann Sebastian Bachs (1685-1750), dessen Schaffen eine Musikergeneration nach Pachelbel Höhepunkt und Abschluss der musikalischen Epoche des Barock bilden sollte.
Die ersten Jahre in Süddeutschland und Karrierebeginn in Wien
Johann Pachelbel wurde 1653 in Nürnberg geboren. Sehr früh zeigte sich seine außergewöhnliche musikalische Begabung, und so erhielt er schon bald den ersten Musikunterricht zunächst vom Kantor, später vom Organisten Wecker der Nürnberger Sebalduskirche. Nach seinem Schulabschluss 1669 besuchte er für kurze Zeit die Altdorfina, die Universität der Reichsstadt Nürnberg in Altdorf, und wurde noch im selben Jahr mit erst 16 Jahren zum Organisten der Nürnberger St. Lorenzkirche ernannt. Aus finanziellen Gründen musste Pachelbel schon nach einigen Monaten die Universität verlassen, erhielt aber ein Stipendium für das Gymnasium Poeticum in Regensburg, wo er von Caspar Prentz, dem renommierten Hofkapellmeister der Familie Thurn und Taxis, Unterricht in Komposition und Orgelspiel erhielt.
Pachelbels Karriere begann 1673, als er einen Ruf an den Stephansdom in Wien als stellvertretender Organist erhielt. Dass er als Protestant diesen Posten im katholischen Wien, noch dazu in der Metropolitankirche des Wiener Erzbischofs, bekam, zeigt, dass er schon als junger Mann einen hervorragenden Ruf in der Musikwelt genoss.
Höhepunkt des Schaffens in Erfurt
1677 zog es Johann Pachelbel wieder zurück nach Deutschland. Nach einer einjährigen Zwischenstation in Eisenach ging er 1678 als Organist nach Erfurt, wo in den folgenden 12 Jahren ein Großteil seiner Orgelwerke wie Toccaten, Fugen und Choralbearbeitungen entstand. 
In Erfurt setzte er seine enge Freundschaft zum Eisenacher Stadtpfeifer und Hoftrompeter Johann Ambrosius Bach fort. Pachelbel wurde Patenonkel eines der Töchter Bachs und unterrichtete den Sohn Johann Christoph im Orgelspiel. Wie damals üblich mussten die jüngeren Geschwister der Orgelschüler während des Unterrichts die Bälge treten, eine Pflicht also auch für den kleinen Bruder Johann Sebastian. Erste Kontakte zu Kirchen- und Orgelmusik erhielt das spätere Musikgenie somit direkt durch den Lehrer des Bruders Johann Pachelbel und später indirekt durch die Tatsache, dass Pachelbels Schüler Johann Christoph der wichtigste Orgellehrer seines Bruders Johann Sebastian wurde.
Während es mit Pachelbels musikalischer Karriere in seiner Erfurter Zeit stetig bergauf ging, musste er im Privatleben einen schweren Schicksalsschlag erleiden: Seine Frau Barbara, die er 1681 geheiratet hatte, und der gemeinsame Sohn starben im Oktober 1683 an der Pest. Mit seiner zweiten Frau Juditha bekam er 7 Kinder, von denen vier die künstlerische Tradition der Familie fortsetzten und Musiker, Instrumentenbauer und Malerin/Kupferstecherin wurden.
1690 suchte Johann Pachelbel nach neuen musikalischen Herausforderungen. Er trat in Stuttgart als Hofmusiker und Organist in die Dienste der Herzogin von Württemberg, musste dort aber vor der französischen Invasion fliehen. Drei Jahren verbrachte er danach als Stadtorganist in Gotha. Als der Organist der Nürnberger Sebalduskirche und sein einstiger Lehrer Georg Caspar Wecker 1695 verstarb, übernahm Pachelbel seine Stelle, die er bis zu seinem Tod im März 1706 innehatte. Sein Grab kann noch heute auf dem Rochusfriedhof besichtigt werden.
In Nürnberg entstanden vor allem bedeutende Vokalwerke wie Motetten, Magnificats in großer Besetzung und Vokalconcerti, aber auch sein bedeutendes Werk „Hexachordum Apollinis“ für Orgel bwz. Cembalo.
In der Oxforder Bodleian-Bibliothek überstanden viele Originalmanuskripte Pachelbels die Zeit der Weltkriege.
